Die Frau im Musée d’Orsay – Ein Roman von David Foenkinos

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  • Beitrag zuletzt geändert am:22. April 2020
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Die Frau im Musée d'Orsay - Ein Roman von David Foenkinos
Wer ist die Frau im Musée d’Orsay?

Was veranlasst einen angesehenen Hochschulprofessor für Kunstgeschichte eine Stelle als Wärter im berühmten Musée d’Orsay anzutreten? Die Personalchefin des Museums, Mathilde Mattel wird aus dem Kunstprofessor Antoine Duris nicht schlau – und stellt ihn trotdem ein. Nun passt er auf die Werke des Künstlers Amedeo Modigliani auf und spricht manchmal manchmal mit ihnen.
Mathilde findet an dem schweigsamen Mann Gefallen und es gelingt ihr, sein Vertrauen zu gewinnen.
Dann nimmt er sie mit.
In seine Heimatstadt Lyon.
Wo alles, was ihm Kummer bereitet, seinen Anfang nahm. Zum Beispiel das Ende seiner langjährigen Beziehung mit Louise und die unsaubere Affäre mit der Angestellten Sabine. Aber ganz besonders beschäftigt ihn der dramatische Tod von Camille. Sie war die begabteste Kunststudentin ihres Jahrgangs.

Und er fühlt sich in einer besonderen Weise für ihren Tod verantwortlich.

Der Autor David Foenkinos

David Foenkinos, Jahrgang 1974 studierte an der Pariser Sorbonne Literatur und Musik. Zu seinen bekanntesten Werken dürfte der Roman Nathalie küsst gehören, der mit Audrey Tautou in der Hauptrolle verfilmt wurde. Ebenso habe ich vor einigen Jahren den Roman Souvenirs gelesen, dessen Rezension ihr in diesem Artikel nachlesen könnt.

David Foenkinos verfasst nicht nur Bücher, sondern arbeitet auch als Drehbuchautor und Regisseur.

Das Musée d’Orsay

Das Musée d’Orsay liegt mitten in Paris im 7. Arrondissement am südlichen Ufer der Seine. Ursprünglich wurde es seit seiner Einweihung im Jahr 1900 als Bahnhof genutzt – der Gare d’Orsay. Seit 1986 dient dieses Gebäude als Museum für über 4.000 Exponate verschiedener Kunstgattungen.

Mehr über dieses einzigartige Museum erfahrt ihr auf dieser Internetseite.

Ich habe dieses Museum leider nie besucht. Aber ich kann mich rühmen, einmal in einem Bistro an der Rückseite des Gebäudes einen Kaffee getrunken zu haben.

Die Frau im Musée d’Orsay – Meine Meinung

Wie in den Büchern Nathalie küsst und Souvenirs ist auch Die Frau im Musée d’Orsay ein sehr melancholisches Buch. Auch hier treffen wir auf etliche einsame, in sich gekehrte Menschen in der Rolle der Hauptakteure.
Antoine befindet sich quasi auf der Flucht vor sich selbst und seinen Gefühlen. Mathilde arbeitet sich im Spagat zwischen Job und alleinerziehender Mutter ab. Und die arme Camille – und um das Mädel geht es eigentlich in diesem Roman – ist für ihr Umfeld nur schwer zu ergründen.
Aber wir Leser sind ja privilegiert und kennen ihr Schicksal in all seiner Scheußlichkeit. Und diese erfahren wir in einer Rückblende.

Ein Roman über den Missbrauch

Dies ist ein Roman über den Missbrauch. Und Foenkinos stellt hier zwei Arten von Missbrauch vor.

Zum einen betreibt Antoine Missbrauch an Sabine. Gerade hatte ihn seine Freundin verlassen, er ist verzweifelt, stalkt Louise sogar hinterher, mag aber niemanden seine Gefühle anvertrauen. Sabine ist zwar nicht übermäßig attraktiv, aber willig und lässt so ziemlich alles mit sich machen. Letzendlich wird sie von ihm abserviert – traurig für sie.
Wir haben ihr zwei erwachsene Menschen, die freiwillig miteinander Sex haben. Die Eckpunkte sind abgesprochen. Aber Antoine missbraucht in gewisser Weise Sabine, um seine Verlassenheit zu ertragen und letztendlich um Druck abzulassen.

Und es verwundert nicht, dass der eigentlich sehr feinsinnige Autor für diese Szenen etliches an derben, teils sogar obszönen Vokabular verwendet.

Camille

Der Missbrauch an Camille hingegen ist eine typische, böse und eklige Vergewaltigung. Und Drohungen halten das Mädchen sogar davon ab, den Täter anzuzeigen.
Dieses Verbrechen bestimmt ihren weiteren Lebensweg ganz ungemein. Und obwohl sie sich wieder aus ihrem Dunkel emporkämpft, schafft sie es letztendlich nicht, ihre Dämonen vollständig zu besiegen.
Sehr, sehr tragisch und leider nicht an den Haaren herbeigezogen.

Wer ist eigentlich die Frau im Musée d’Orsay?

Handelt es sich bei der Frau um die Personalchefin Mathilde? Oder um das Bild des von Antoine so verehrten Modigliani, in dem dieser seine Geliebte Jeanne Hébuterne porträtiert hat?

Über diese Frage lässt uns nicht Foenkinos im unklaren, sondern der Penguin Verlag und sein deutscher Lektor. Denn der Originaltitel Vers la beauté bedeutet auf Deutsch so viel wie Auf dem Weg zur Schönheit.

Und die Schönheit in der Kunst hat eine heilsame Wirkung – das kann man von diesem Roman lernen.

Wem könnte dieses Buch gefallen?

  • Kunstliebhabern ohne jeglichen akademischen Anspruch
  • Frankophilen Lesern
  • Leser, die verwickelt erzählte Geschichten lieben

Für wen wäre dieses Buch eher nicht geeignet?

  • Kunstsachverständige, denn die hätten an allen Aussagen Foenkinos‘ etwas zu kritisieren
  • Leser, die reine Belletristik nicht mögen

Bibliografisches zu dem Buch: Die Frau im Musée d’Orsay

Die Frau im Musée d'Orsay von David Foenkinos - Reine Belletristik und schöne Künste
Bibliografisches zu dem Buch „Die Frau im Musée d’Orsay“
  • Titel: Die Frau im Musée d’Orsay
  • Autor: David Foenkinos, Christian Kolb (Übersetzung)
  • Originaltitel: Vers la beauté
  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag; Auflage: Erstmals im TB (11. Mai 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3328105840
  • ISBN-13: 978-3328105848
  • Preis Stand April 2020: 11,00 Euro (Taschenbuch), 15,99 Euro (Kindle), 20,00 Euro (Gebundenes Buch), 19,55 Euro (MP3-CD, gelesen von Erich Wittenberg)
  • Bestelllink Amazon

(Alle Angaben ohne Gewähr)

***

Habt ihr das Musée d’Orsay jemals besucht? Ist es wirklich so beeindruckend?

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Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buch-Challenge 2020, Aufgabe 10: Lese ein Buch mit einem bekannten Motiv auf dem Cover (z.B. Sehenswürdigkeit, bekannte Skyline…)


Text: Die Frau im Musée d’Orsay – Ein Roman von David Foenkinos ©sabienes-welt.de
Alle Fotos: Die Frau im Musée d’Orsay – Ein Roman von David Foenkinos ©sabienes-welt.de

Zusammenfassung
Die Frau im Musée d'Orsay - Ein Roman von David Foenkinos
Titel
Die Frau im Musée d'Orsay - Ein Roman von David Foenkinos
Beschreibung
Die Frau im Musée d'Orsay von David Foenkinos ist ein schön erzählter und überraschender Roman aus der französischen Kunstszene. Er handelt von Liebe, Einsamkeit und Missbrauch.
Autor

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

    1. Sabiene

      @Shadownlight: Aber bitte doch!
      LG
      Sabiene

  1. Liebe Sabienes, Paris ist wohl eine ganz besondere Stadt mit einem ganz eigenen Flair und hier lassen sich daher wohl auch melancholische Geschichten am besten erzählen. Außerdem mag ich es total, wenn sich ein Geschehen an mir bekannten Orten ereignet, sodass ich noch besser mitleben kann. An deinen Buchvorstellungen finde ich auch immer besonders toll, dass du so konkrete Hinweise gibst, für wen das Buch geeignet ist und für wen es eher nicht passt. Da ist für mich jedes Mal ein perfekter Richtungsweiser.
    Hab einen wunderbaren Tag und alles Liebe

    1. Sabiene

      @Wonderful Fifty: Es freut mich sehr, dass dir meine Rezensionen gefallen. Zu den Hinweisen solltest du aber bedenken, dass sie rein subjektiv sind. Quasi bei mir aus dem Bauch raus.
      LG
      Sabiene

    1. Sabiene

      @Luisa: Wenn du von Foenkinos noch nie etwas gelesen hast, dann könnte aber auch der Roman „Nathalie küsst“ https://sabienes-welt.de/nathalie-kuesst/ gut gefallen.
      Der gleichnamige Film ist auch super.
      LG
      Sabiene

    1. Sabiene

      @Romy: Du hast viel Stress, oder? Das wird aber bestimmt mal irgendwann weniger!
      LG
      Sabiene

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